In einer Zeit, in der viele Videospiel-Reihen mit der Balance zwischen Nostalgie und Innovation kämpfen, liefert Capcom mit Resident Evil Requiem ein beeindruckendes Statement. Das neunte Hauptspiel der legendären Survival-Horror-Serie, das am 27. Februar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2 und PC erschienen ist, vereint die besten Elemente von drei Jahrzehnten Franchise-Geschichte zu einem kohärenten, atemberaubenden Erlebnis. Für deutsche Spieler, die die Serie seit den 90er-Jahren auf dem PC und der PlayStation lieben, fühlt sich Requiem wie eine Heimkehr an – düster, spannend und emotional tiefgründig.
Die Rückkehr nach Raccoon City: Handlung und Charaktere
Die Geschichte von Resident Evil Requiem spielt im Oktober 2026, 28 Jahre nach der Zerstörung von Raccoon City. Im Mittelpunkt steht die neue Protagonistin Grace Ashcroft, eine introvertierte FBI-Analystin und Tochter der Outbreak-Figur Alyssa Ashcroft. Grace untersucht mysteriöse Todesfälle unter Überlebenden des Raccoon-City-Vorfalls, die auf mutierte Reste des T-Virus zurückgehen – das sogenannte „Raccoon City Syndrome“ (RCS).
Ihre Ermittlungen führen sie ins verlassene Wrenwood Hotel und später ins Rhodes Hill Chronic Care Center. Dort trifft sie auf den zurückkehrenden Leon S. Kennedy, der selbst mit RCS kämpft. Die Handlung wechselt zwischen den beiden Charakteren und verknüpft persönliche Tragödien mit den großen Verschwörungen der Serie: ehemalige Umbrella-Wissenschaftler wie Victor Gideon, Verbindungen zur Connections-Organisation und das Erbe von Oswell E. Spencer.
Die Erzählung ist dunkler und reifer als in vielen Vorgängern. Themen wie Machtlosigkeit, familiäre Schuld und die ethischen Grenzen der Biotechnologie werden sensibel behandelt. Grace als „Bookworm“, die nicht kampferprobt ist, sorgt für frische Identifikation – besonders für Spieler, die sich in actionlastigen Titeln weniger wiederfinden. Leon hingegen präsentiert sich als reifer, „ikeoji“ (attraktiver älterer Mann) und bringt die gewohnte Coolness und Tiefe mit. Die Verknüpfung mit Klassikern wie Resident Evil Outbreak und Figuren wie Sherry Birkin bereichert das Lore enorm.
Duales Gameplay: Survival-Horror trifft Action
Resident Evil Requiem glänzt durch seinen mutigen Ansatz, zwei Spielstile zu kombinieren. Grace-Abschnitte orientieren sich stark an Resident Evil 7 und Village: begrenzte Ressourcen, Stealth, Puzzles und intensive Verfolgungsjagden. Ein riesiges Monster namens „The Girl“ jagt die Protagonistin durch dunkle Korridore – immun gegen normale Waffen und nur durch Licht oder spezielle Taktiken verwundbar. Inventar-Management mit Typewritern (auf höheren Schwierigkeitsgraden) und begrenzten Speicherständen erzeugt klassische Anspannung.
Leons Parts sind actionorientiert wie in Resident Evil 4 oder den Remakes: reichlich Munition, spektakuläre Nahkämpfe, Parries und Boss-Kämpfe. Der Wechsel zwischen First-Person (bei Grace für Immersion) und Third-Person (bei Leon für Übersicht) funktioniert hervorragend. Spieler können die Perspektive oft selbst wählen, was die Zugänglichkeit steigert.
Puzzles sind clever und thematisch eingebettet – von Organ-Manipulation bis zu Licht-Mechaniken. Die Umgebungen, besonders die Ruinen von Raccoon City und das Hospital, sind atmosphärisch meisterhaft gestaltet. Der RE Engine leistet auf allen Plattformen (einschließlich Switch 2) beeindruckende Arbeit: detaillierte Texturen, dynamische Beleuchtung und flüssige Performance.
Technik, Sound und Atmosphäre
Die Grafik setzt neue Maßstäbe für die Serie. Zombie-Designs sind grotesk und vielfältig, Umgebungen erzählen Geschichten durch Details. Auf PC mit Ray Tracing und hohen Framerates wirkt das Spiel kinoreif. Der Soundtrack von Nao Sato und Team unterstreicht die Spannung mit orchestralen Stücken und beklemmender Stille. Deutsche Synchronisation (wie gewohnt stark) und Lokalisierung machen das Spiel für hiesige Fans besonders zugänglich.
Die Länge von ca. 10–15 Stunden für die Hauptgeschichte (mehr bei Erkundung und höheren Schwierigkeitsgraden) ist perfekt dosiert – intensiv, ohne zu ermüden. Photo Mode und Updates nach Release zeigen Capcoms Engagement für die Community.
Ein Meilenstein zum 30-jährigen Jubiläum
Resident Evil feiert 2026 drei Jahrzehnte. Von der bahnbrechenden Mansion 1996 über den Genre-Wechsel mit RE4 bis zu den modernen Hits wie RE2 Remake – die Serie hat immer wieder neu erfunden, was Horror in Spielen bedeutet. Requiem ist die Krönung: Es respektiert die Wurzeln, integriert Fan-Lieblinge und wagt Neues mit Grace.
In Deutschland, wo die Serie seit jeher stark vertreten ist (physische Charts-Dominanz, Gold-Auszeichnungen), trifft Requiem einen Nerv. Viele Spieler verbinden damit Kindheits- oder Jugend-Erinnerungen an nächtliche Sessions mit Freunden, bei denen man sich gegenseitig vor dem Bildschirm erschreckt hat. Die Verfügbarkeit auf Switch 2 erweitert die Reichweite enorm – portable Horror-Nächte sind jetzt möglich.
Rezeption und Verkaufserfolg
Die Kritiken sind überwältigend positiv. Metacritic-Werte im hohen 80er-Bereich, Lob für Atmosphäre, Balance und Storytelling. In Deutschland und weltweit verkaufte sich das Spiel millionenfach in kürzester Zeit – das schnellste Resident Evil aller Zeiten.
Kritikpunkte sind selten: Manche wünschen sich mehr Grace-Spielzeit im späteren Verlauf oder noch mehr offene Erkundung. Insgesamt überwiegt jedoch die Begeisterung: Ein Spiel, das sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen anspricht.
Fazit: Warum Sie Resident Evil Requiem spielen sollten
Resident Evil Requiem ist mehr als nur ein weiteres Zombie-Spiel. Es ist eine Liebeserklärung an die Serie, ein technisches Meisterwerk und ein emotional packendes Horror-Erlebnis. Für deutsche Gamer bietet es die perfekte Mischung aus Nostalgie (Raccoon City!), Innovation (Grace!) und purem Adrenalin. Ob Sie klassischen Survival-Horror bevorzugen oder actionreiche Kämpfe – das Spiel bedient beide Welten meisterhaft.
Capcom hat bewiesen, dass die Serie nach 30 Jahren vitaler ist denn je. Wenn Sie noch nicht zugeschlagen haben: Schalten Sie das Licht aus, greifen Sie zum Controller und tauchen Sie ein in den Albtraum. Aber seien Sie gewarnt – ein Requiem für die Toten wird schnell zum Albtraum für die Lebenden.