In der Welt der Videospiele gibt es wenige Titel, die so sehr in der Erinnerung der Spieler verankert sind wie Bully. Ein Spiel, das 2006 erschien und wie kein anderes die chaotische, humorvolle und manchmal brutale Realität des Schulalltags in eine offene Spielwelt packte. Für viele Deutsche war es unter dem Titel Canis Canem Edit bekannt – ein lateinischer Kunstgriff, der die Kontroversen um den englischen Namen „Bully“ umschiffen sollte. Heute, zwei Jahrzehnte später, fiebern Fans weltweit einem Bully 2 entgegen. Doch Rockstar Games schweigt. Was ist passiert? Warum wurde die Fortsetzung angeblich entwickelt und dann eingestellt? Und wie könnte ein modernes Bully 2 aussehen? Dieser ausführliche Artikel beleuchtet die Geschichte, den Kultstatus und die Zukunftsperspektiven des Spiels – speziell für die deutsche Gaming-Community.
Die Geburt eines Kultspiels: Bully im Jahr 2006
Rockstar Games, bekannt für kontroverse Meisterwerke wie die Grand Theft Auto-Reihe, wagte 2006 mit Bully etwas Neues. Statt großer Verbrecherwelten schickte das Studio die Spieler in die fiktive Bullworth Academy, ein Internat in Neuengland. Der Protagonist Jimmy Hopkins, ein 15-jähriger Rebell mit turbulentem Hintergrund, wird von seiner Mutter und ihrem neuen Ehemann dort abgesetzt. Jimmy ist kein typischer Held – er ist klein, frech und bereit, sich gegen das System zu wehren.
Das Spiel erschien zunächst exklusiv für die PlayStation 2. In Europa und anderen PAL-Regionen trug es den Titel Canis Canem Edit („Hund frisst Hund“), weil der Name „Bully“ zu stark mit Mobbing assoziiert wurde und zu Protesten führte. In Deutschland sorgte das Spiel für Aufsehen: Es gab Debatten über Gewalt in Videospielen, doch letztlich wurde es mit einer USK-Freigabe ab 12 oder 16 Jahren veröffentlicht. Die spätere Scholarship Edition (Ehrenrunde) kam 2008 für Wii, Xbox 360 und PC heraus und erweiterte das Original um neue Missionen, Charaktere und Minispiele.
Gameplay-Highlights: Bully ist ein Action-Adventure in einer semi-offenen Welt. Die Schule und die umliegende Kleinstadt Bullworth bieten unzählige Möglichkeiten. Jimmy kann:
- Kämpfen: Nahkampf mit Schlägen, Tritten, Grapples und Waffen wie Schlägern, Feuerwerkskörpern oder Stinkbomben. Das Kampfsystem ist zugänglich, aber mit Upgrades durch Klassen und Items tiefgehend.
- Missionen erledigen: Lineare Story-Missionen, die Jimmy durch sechs Kapitel führen. Er navigiert zwischen rivalisierenden Cliquen: Bullies, Preppies (Snobs), Greasers (Rockabilly-Typen), Jocks (Sportler), Nerds und später Townies (Außenseiter aus der Stadt).
- Unterricht besuchen: Mini-Games wie Englisch (Wortsuche), Chemie (Experimente), Kunst (Zeichnen) oder Sport. Erfolgreiche Klassen geben permanente Vorteile, z. B. bessere Gesundheit oder neue Moves.
- Pranks und Erkundung: Fahrrad fahren, Skateboarden, Go-Kart-Rennen, Angeln, Schleichen und unzählige Streiche. Die Welt fühlt sich lebendig an – Schüler reagieren dynamisch auf Jimmy, je nach Ruf.
Die Story ist eine Coming-of-Age-Geschichte mit viel schwarzem Humor. Jimmy stellt sich gegen echte Tyrannen, schmiedet Allianzen und deckt dunkle Geheimnisse der Schule auf. Themen wie Freundschaft, Rivalität, erste Liebe und Erwachsenwerden werden authentisch und nie belehrend behandelt. Im Gegensatz zu manchen Vorurteilen ist Bully kein Spiel, das Mobbing verherrlicht – es ist eine Satire, die zeigt, wie man sich gegen Unterdrückung wehrt.
Kontroversen und kultureller Einfluss in Deutschland
Bei der Ankündigung löste Bully weltweit Proteste aus. Politiker und Anti-Gewalt-Gruppen befürchteten, das Spiel würde Jugendliche zum Mobbing animieren. In Deutschland und Europa war die Namensänderung ein direkter Reflex darauf. Dennoch wurde das Spiel ein Erfolg. Viele Spieler schätzten die detailreiche, humorvolle Darstellung des Schulalltags – etwas, das in deutschen Spielen selten vorkam.
Der Kultstatus hält bis heute: Auf YouTube gibt es zahlreiche deutsche Let’s Plays (z. B. von DerSorbus), Mods für die PC-Version und Emulator-Diskussionen. Die Scholarship Edition läuft gut auf modernen Systemen, und Fans modden Texturen, Auflösungen und sogar neue Inhalte. In Foren wie Reddit oder deutschen Gaming-Communities wird Bully oft als „unterschätztes Rockstar-Meisterwerk“ gefeiert – kleiner als GTA, aber charmanter und fokussierter.
Bully 2: Die Gerüchte, die Entwicklung und das bittere Ende
Seit der Veröffentlichung des ersten Teils kursierten Gerüchte über eine Fortsetzung. Der Soundtrack-Komponist Shawn Lee sprach 2008 von Arbeiten an Bully 2. Leaks und Entwickler-Statements deuteten auf eine frühe Entwicklung hin – offenbar 2008/2009 bei einem kleineren Team. Es gab sogar ein Skript von Dan Houser.
Doch es kam nie dazu. 2019 bestätigten Quellen wie Videogames Chronicle und YouTuber SWEGTA, dass das Projekt eingestellt wurde. Der entscheidende Grund kam 2025 von Dan Houser selbst in einem Interview: „Bandwidth issues“. Das kleine Team musste Prioritäten setzen – Red Dead Redemption und vor allem GTA V und GTA VI fraßen Ressourcen. Rockstar erneuerte zwar das Trademark, aber es gibt keine aktiven Pläne für Bully 2.
Fans sind enttäuscht, aber kreativ: Es gibt Fan-Projekte, Remakes in anderen Engines und sogar Spiele, die den Geist von Bully einfangen (z. B. Indie-Titel mit Schulsetting). In Deutschland teilen Communities auf Plattformen wie Instagram oder Reddit die Hoffnung auf einen Remaster – idealerweise mit deutscher Lokalisierung, verbesserter Grafik und Cross-Play.
Wie könnte Bully 2 aussehen? Vision für ein modernes Sequel
Ein hypothetisches Bully 2 hätte enormes Potenzial, besonders in der heutigen Gaming-Landschaft:
- Größere, lebendigere Welt: Eine erweiterte Bullworth-Region mit Sommerferien, einer benachbarten Stadt oder sogar College-Setting. Dynamisches Wetter, Tag-Nacht-Zyklus und Jahreszeiten würden die Immersion steigern.
- Moderne Mechaniken: Verbessertes Kampfsystem mit Skill-Trees, tiefere Sozialsimulation (Beziehungen, Ruf-System mit Konsequenzen), Smartphone-Integration für Pranks und Social-Media-Elemente (satirisch, versteht sich).
- Story: Jimmy kehrt zurück oder ein neuer Protagonist. Themen wie Cyber-Mobbing, soziale Medien, Mental Health und Schulkultur in den 2020er Jahren – immer mit Rockstars typischem Humor und Satire.
- Technik: Unreal Engine 5 für atemberaubende Details, Raytracing, 60+ FPS auf PS5, Xbox Series X und PC. Multiplayer-Modi für Schulhof-Chaos mit Freunden.
- Für Deutschland: Vollständige deutsche Synchronisation, lokale Anspielungen (z. B. auf deutsches Schulsystem) und Sensibilität bei sensiblen Themen, um USK-Freigaben zu sichern.
Vergleiche zu aktuellen Titeln wie GTA VI zeigen, dass Rockstar kleinere, narrative-starke Spiele durchaus stemmen könnte – vielleicht als „kleines“ Projekt zwischen großen Releases.
Warum Bully heute relevanter ist denn je
In Zeiten von Fortnite, Roblox und Schul-Streamern spricht Bully eine universelle Sehnsucht an: Die Freiheit, in einer strukturierten Welt (Schule) Chaos zu stiften und gleichzeitig zu wachsen. Es ist ein Power-Fantasy gegen Ungerechtigkeit, verpackt in Nostalgie der 2000er-Jahre-Teen-Movies. Für deutsche Spieler, die mit strengen Schulregeln aufwuchsen, bietet es eine willkommene Rebellion.
Trotz fehlender Fortsetzung lebt die Community. Mods, Remaster-Wünsche und Diskussionen halten den Traum am Leben. Rockstar könnte mit einem Remaster des Originals (ähnlich wie bei anderen Klassikern) den Weg ebnen – und später vielleicht doch Bully 2 wagen.
Fazit: Der Schulhof wartet weiter
Bully bleibt ein Meilenstein: Witzig, frech, emotional und spielerisch brillant. Bully 2 mag auf unbestimmte Zeit verschoben sein, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis dahin lohnt es sich, die Scholarship Edition erneut zu starten – ob auf PC mit Mods, Emulator oder Konsole. Für alle, die den Schulhof von Bullworth vermissen: Die Cliquen warten. Wer weiß, vielleicht überrascht uns Rockstar zum 20-jährigen Jubiläum doch noch.